Ev. Friedens-Kirchengemeinde Düsseldorf (Friedenskirche)

Doch schon sieben Jahre nach der Fertigstellung der Gebhardt'schen Bilder beginnt 1914 der erste Weltkrieg. Werden die ausziehenden Soldaten noch mit Jubel verabschiedet, so bringen bald eintreffende Todesmeldungen den Bürgern die Schrecken des Krieges nahe. Drei der vier Bronzeglocken der "Friedens"-Kirche werden zu Kanonen umgeschmolzen. Düsseldorf wird "zu einem der großen Nachschubzentren und Lazarettort der Westfront und zu einer der bedeutendsten deutschen Waffenschmieden". Bald kommt es zu hoher Arbeitslosigkeit. Hunger, Krankheit und Tod folgen. Der Krieg geht verloren, das Kaiserreich zerbricht. Und mit ihm die alte Wertordnung, die ohnehin schon auf tönernen Beinen stand. Orientierungslosigkeit und Kampf um die politische Nachfolge bestimmen die Nachkriegszeit.

Der Not der Menschen bedient sich der Nationalsozialismus, um an die Macht zu kommen und unvorstellbar größeres Elend über sie und die ganze Welt zu bringen. Auch das evangelische Düsseldorf bleibt von der geistigen Verwirrung des nationalsozialistischen Gedankengutes nicht verschont. Es kommt zum Kirchenkampf zwischen den "Deutschen Christen" und der "Bekennenden Kirche". Am 12.11.1932 finden Presbyteriumswahlen statt. Der Bekennerbund geht noch als Sieger hervor. Doch im Juli 1933 werden neue Kirchenwahlen angeordnet. Hitler fordert in der Nacht vor der Wahl über Rundfunk alle evangelischen Christen auf, die "Deutschen Christen" zu wählen. Sie erhalten die Mehrheit in der größeren Gemeindevertretung.

Auch durch den Bezirk um die Friedenskirche geht nunmehr ein tiefer Riss: Zwei Pfarrer gehören jeweils den unterschiedlichen Lagern an und predigen entsprechend. Über viele Jahre hindurch ziehen sich schwere Glaubensauseinandersetzungen durch die ganze Düsseldorfer Gemeinde. Als dann am Ende Düsseldorf im Bombenhagel des Beim Fliegerangriff 1943 zerstörte Friedenskirchezweiten Weltkrieges versinkt, werden allein am 12.Juni 1943 beim sogenannten "Pfingstangriff" in Bilk und in der Friedrichstadt die katholischen Kirchen St. Martin, St. Peter und St. Antonius sowie die Friedenskirche zerstört. Der damalige Pfarrer Kogge notiert über diese Nacht: "Eigenartig mutete nach dem ersten Angriff an, dass das Spruchband über dem Triumphbogen 'Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen' erhalten geblieben war, mit Ausnahme der Worte 'und Friede auf Erden'. Diese Worte waren herausgebrochen, als sollten wir deutlich merken, dass der Friede von der Erde genommen sei. Und die andere Bedeutsamkeit: über der einen der beiden Seitentüren steht noch heute außen: 'Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.' Ja, das sollen wir wissen: die 'Tempel, von Menschenhänden gemacht', mögen zerfallen, das Wort unseres Gottes aber bleibt in Ewigkeit. Und als am Tage nach dem ersten schweren Angriff sich eine kleine Pfingstgemeinde vor der Kirche sammelte, da haben wir doch einen kurzen Gottesdienst gehalten, und zwar draußen vor der Kirche, angesichts dieses Wortes." 

Bis in die jüngere Vergangeneheit wurde oft in der Gemeinde von dieser schweren Zeit und ihren Auswirkungen bei den Menschen in der Gemeinde erzählt. Denn gravierender als alle materiellen Verluste des Krieges schmerzt das Versagen weiter Teile der evangelischen Kirche gegenüber dem Schreckensregime Hitlers. Breite Gräben sind in vielen Gemeinden entstanden. Schuld musste erkannt und bekannt werden. Es sind ausgerechnet diejenigen, die dem Bösen unter Gefahr von Leib und Leben widerstanden haben, die als erste öffentlich bekennen, in ihrer Pflicht als Christen versagt zu haben.